Stoff von Hand bedrucken – ein Blick in die Werkstatt

Warum Gestaltung schon beim Stoff beginnt

Wer Lust hat, sich ein Kleidungsstück zu nähen, denkt meist darüber nach, welchen Stoff und welches Schnittmuster er (bzw. ehrlicherweise eher sie) sich dafür besorgt. Aber besonders viel Freude macht es, wenn man den Stoff vor oder nach dem Vernähen selbst veredelt – durch färben, besticken, oder aber bedrucken. 
Gestaltung beginnt schon beim Stoff, und je mehr man an seinem Kleidungsstück selbst gemacht hat, desto eigener fühlt es sich an. Farbe, Muster und Material beeinflussen die Wirkung eines Kleidungsstücks genauso stark wie die Silhouette. 
In diesem Blogbeitrag zeige ich Dir Schritt für Schritt, wie Du Deine Schnitteile vor dem Vernähen bedrucken kannst und was hier wichtig zu beachten ist. Für diesen großformatigen Druck habe ich mich für das Schnittmuster der Bluse Paloma entschieden, da ich es besonders mag, wenn Muster durch das Übereinanderlegen oder Knoten des Stoffs unübersichtlich werden. Das Schnittmuster findest Du hier. 


Materialien und Tipps für den Textildruck

Das Schöne am Bedrucken ist, dass es effektvoll aber einfach ist und relativ schnell geht. Da die Ästhetik des Blockprints von den kleinen Fehlern, Unregelmäßigkeiten und Farbklecksen lebt (so wie beim IKAT eben der Verzug der Fasern das Charakteristische ist), kann man ganz entspannt drauflosdrucken. 

Hier ist eine Liste der Materialien, die Du brauchst, um loszulegen: 
•    Vorgewaschenen Stoff
•    Eine Motivvorlage (Du kannst natürlich auch etwas aus dem Kopf zeichnen, wenn Du geübt bist)
•    (Weichen) Bleistift (ich empfehle mindestens 2B, eher mehr B) und Papier 
•    Cutter und Cuttermatte (mit Schere geht’s natürlich auch, ist aber etwas schwieriger und langwieriger)
•    Moosgummi
•    Karton
•    Kleber 
•    Farbroller und / oder Pinsel (der Druck sieht anders aus, je nach Farbauftrag
•    Gute Textilfarben (hier macht der Preis oft tatsächlich einen Qualitätsunterschied)
•    Gute Basis-Farbauswahl: ich empfehle Dir, Grundfarben zu kaufen und die Nuancen, die Du haben möchtest, selbst zu mischen. 
•    Wasserlöslichen Marker
•    Fixiermittel 
•    Küchenrolle

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Der Druckprozess Schritt für Schritt

Planung und Vorbereitung 

Bevor Du Deine Schnittteile bedruckst, solltest Du die wichtigsten Entscheidungen treffen:
•    Wie groß soll das Motiv sein?
•    Wie soll der Rapport aussehen? 
•    Wie weit sollen die Motive auseinanderliegen? 
•    Möchtest Du an den Nähten einen Anschluss hinkriegen? (Ich würde Dir empfehlen, Dir bei den ersten Versuchen nicht zu viel auf einmal vorzunehmen)
•    Wieviele Teile hat das Motiv und wieviele Farben sollen vorkommen?
•    Soll das ganze Stück bedruckt sein oder nur bestimmte Partien? 
•    Gibt es Teilungsnähte oder Abnäher, die später verschwinden und deshalb vor dem Bedrucken geschlossen werden sollten? 

Bei meiner Bluse Paloma betrifft das beispielsweise den Brustabnäher und die Teilungsnaht am Ärmel.  

Den Stoff solltest Du vorab waschen. Anschließend kannst Du alle Schnitteile zuschneiden und die erforderlichen Teilungsnähte und Abnäher schließen.  


Das Motiv entwickeln

Nun beginnt die Arbeit am Motiv. 

Zeichne Dein Motiv zunächst mit Bleistift auf Papier und schneide die einzelnen Teile aus. Alternativ kannst Du natürlich auch Vorlagen oder Formen aus dem Internet verwenden und anpassen.

Bewahre die ausgeschnittene Negativform auf. Sie wird später beim Platzieren des Motivs auf dem Stoff noch hilfreich sein.

Übertrage die Motivteile anschließend auf Moosgummi. Je nach Motiv kannst Du die Oberfläche weiter bearbeiten: Linien einritzen, kleine Bereiche ausschneiden oder zusätzliche Strukturen einarbeiten.

Bei meiner Fliederblüte habe ich beispielsweise kleine Aussparungen in die Blütendolde geschnitten und den Blättern mit einigen Linien eine Blattstruktur gegeben.

     


Den Druckstock herstellen 

Achte darauf, dass Druckmotive spiegelverkehrt erscheinen. Wenn Du das Motiv später genauso auf dem Stoff sehen möchtest, wie Du es gezeichnet hast, musst Du die Struktur auf der Rückseite der Moosgummiteile ausarbeiten und die Teile spiegelverkehrt auf den Karton kleben.

Anschließend werden die Moosgummistücke auf Karton geklebt und können als Druckstempel verwendet werden.


Farben mischen und Testdruck erstellen 

Je nachdem, ob Du eine Farbrolle oder den Pinsel verwendest, wird der Druck unterschiedlich aussehen. 

Für die Fliederblüten habe ich die Farbe mit dem Farbroller aufgetragen. Die Blätter dagegen habe ich mit dem Pinsel bemalt, damit die Blätter durch die Pinselstriche zusätzlich eine blattartige Struktur erhalten. 

Bevor Du auf Deine Schnittteile druckst, solltest Du unbedingt einen Testdruck auf einem Stoffrest machen. So kannst Du Farbauftrag, Positionierung und Wirkung des Motivs überprüfen.

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Beim Mischen der Farben haben sich für mich folgende Regeln bewährt:

•    Arbeite zunächst mit zwei bis drei Farben.
•    Verwende möglichst Grundfarben statt stark vorgemischter Nuancen. (feuriges Rot, kaltes Grün, mitteldunkles, eher kühles Blau, helles, eher kühles Gelb, Weiß, Schwarz.) 
•    Mische jeder Farbe eine kleine Menge der anderen Farbtöne bei. Dadurch entsteht automatisch eine farbliche Verwandtschaft, die das Gesamtbild harmonischer wirken lässt.

Die Schnitteile bedrucken

Wenn Du mit dem Testdruck zufrieden bist, kannst Du mit dem Bedrucken der Schnitteile beginnen. 

Markiere zunächst die Positionen der Motive mit einem wasserlöslichen Marker. Hierfür kannst Du die zuvor aufgehobene Negativform des Motivs verwenden. Einige wenige, klare Markierungen reichen meist aus, um die Platzierung beim Drucken sicher wiederzufinden.

Ein wichtiger Tipp: Mische genügend Farbe an, bevor Du beginnst. Es ist oft schwierig, denselben Farbton später exakt erneut zu treffen.

Falls Du unsicher bist, ob die Farbmenge ausreicht, arbeite nicht Schnittteil für Schnittteil ab, sondern verteile die Motive auf alle Teile gleichzeitig. So wirken mögliche Farbabweichungen wie ein bewusstes Gestaltungselement und nicht wie ein Versehen.

Wo Du ein Motiv über den Rand hinaus drucken möchtest, lege Küchenrolle oder Papier unter. 

Sind alle Teile bedruckt, lasse die Farbe trocknen. Anschließend wird der wasserlösliche Marker ausgewaschen und der Druck gemäß Herstellerangaben fixiert.

Zum Schluss kannst Du die Schnitteile bügeln und wie gewohnt zum fertigen Kleidungsstück vernähen.

 

Vom bedruckten Stoff zur Bluse Paloma

Für dieses Projekt habe ich mich für ein großformatiges, florales Motiv entschieden. Mich reizte besonders die Vorstellung, wie sich die einzelnen Drucke über die Schnittteile verteilen und durch das spätere Binden der Schleifen immer wieder neue Kompositionen entstehen.

Gerade bei der Bluse Paloma verändert sich das Muster je nach Trageweise. Einzelne Motive verschwinden in Falten, andere treten stärker hervor, und durch die Überlagerung der Stofflagen entstehen immer neue Bildausschnitte.

Vielen Dank für Dein Interesse an diesem Artikel. Falls Du Feedback hast oder ein eigenes Ergebnis teilen möchtest, freue ich mich über eine Nachricht an lina@shrimpcuts.com oder eine Verlinkung auf Social Media.